Neues zum geplanten HOKAWE-Kauf: Landrat Bodo Ihrke und die rosarote Shopping-Brille

Der Barnimer Landrat Bodo Ihrke ist auf Shopping-Tour. Und weil er ein richtig großer Landrat ist kann das begehrte Produkt und sein Preis auch gern ein wenig üppiger ausfallen. Das “HOKAWE” (Holzkraftwerk) darf es sein? Kein Problem und her mit den Millionen, denn “Alles spricht dafür”.

Beschäftigt man sich etwas näher mit mit dem Substanzgehalt des letzten Ihrke-Interviews entweicht ihm eine Menge “heiße Luft”. Schon auf die Gründe für die bestehende Insolvenz des Unternehmens geht der Landrat nur am Rande ein. Stromerzeugung allein hätte halt nicht gereicht, aber ergänzt durch Wärmeversorgung  wäre die Wirtschaftlichkeit kein Problem. Welche potentiellen Abnehmer es gibt und welches Auftragsvolumen zu welchem Preis realistisch zu erwarten ist? – Ihrke bleibt die Antworten schuldig und ergeht sich lieber in allgemeinen Lobpreisungen der “kommunalen Barnimer Wirtschaftskunst.”

Wenn man nun hinterfragt, was den Kessel denn  am Dampfen halten soll wachsen die Zweifel an einer ausreichenden Verfügbarkeit “regionalen Energieholzes” ins Unermessliche. Die holzverarbeitende Industrie sieht schon jetzt ein Versorgungsproblem, die Nachfrage hebt den Preis und entlarvt die gern und und oft propagierte Story von der günstigen Fernwärme als “märchenhaftes Wunschdenken.”

“Es reicht nicht einmal”, schrieb der Kreistagsabgeordnete Johannes Madeja in seinem gestrigen MOZ-Kommentar, das Energieholz das innerhalb eines Radius von 160 (…) km anfällt.

“Gewinn gibt es nur, wenn man Holz, das es – nach übereinstimmender Auffassung aller Holzexperten – gar nicht gibt, wie bisher zu einem gestützten Vorzugspreis kaufen kann und wenn es die kalkulierten Bonuszahlungen – unsere Steuergelder – auch wirklich gibt .”

Sein Kollege Albrecht Triller (Fraktion Grüne/Bündnis für ein demokratisches Eberswalde) hatte zuvor bereits die erstaunlich ausgeprägte Riskiobereitschaft des Kreises in wirtschaftlichen Fragen “bestaunt”.
“Wenn der Kreis das Holzkraftwerk übernimmt und wie angekündigt das Fernwärmenetz ausbaut, um den Betrieb rentabler zu machen,, sagte Triller gegenüber der Presse, “gefährdet dies die erwiesenermaßen kostengünstigere Nahwärmeversorgung”.

Auch die  eher lieblos “zusammengeschusterte “Argumentationskette hinsichtlich günstiger Auswirkungen für Ökologie und Klimaschutz mag bei einem “Verfeuerungsprojekt” dieser Größenordnung nicht überzeugen. Abgesehen vom Schadstoffausstoss und der Energiebilanz birgt die bereits angesprochene “Materialbeschaffungsproblematik” (in Verbindung mit dem vorhersehbaren Bemühen das Unmögliche möglich zu machen) große Gefahren für eine forcierte Ausplünderung der Wälder bzw. des öffentlichen Baumbestandes. Man muss den Barnim gar nicht so genau kennen, um den bereits heute “schluderigen Umgang” mit Biotopholz und die eher wachsenden Bereitschaft zu “Präventivfällungen im Alleenbestand” zu kritisieren.

Der Waldökologe Dr. Andreas Steiner (gehörte bis Ende 2011 der  Eberswalder Stadtverordnetenversammlung an), der die Null-Emissionsstrategie des Landkreise mit Blick auf das Holzkraftwerk bereits vor 2 Jahren als “große Mogelpackung” bezeichnete, gibt weitere Aspekte zu Bedenken. Die Gutachter und Kreistagsabgeordneten, fordert Steiner,

“sollten mal überschlägig ausrechnen, wie effektiv das HokaWe die Energie ausnutzt, die im Holz steckt. Bei diesem handelt es sich immerhin um wenig abgelagertes Holz/Frischholz mit einem noch hohen Anteil an Feuchtigkeit. Wir kennen es als Betreiber eines Kamins oder eines Kaminofens, dass Holz nach dem Zerkleinern in Scheite (!) wenigsten 1 ½ Jahre in trockenen und gut durchlüfteten Räumen abgelagert werden sollte, bevor es verbrannt wird.
(..)Wie viel Wärmeenergie muss in das zu verwendende Holz hineingesteckt werden, um es überhaupt brennbar zu machen? Und wie viel Wärmeenergie erhält man dann aus der Verbrennung? In welchem Verhältnis steht dies zueinander?”

Keine Ahnung also, warum und für wen Herr Ihrke den “großen Ofen” (abgesehen von seinem offensichtlichen Ehrgeiz ) unbedingt haben will. Wirtschaftliche, energiepolitische oder gar ökologische Belange dürften nach Lage der Dinge jedenfalls keine wirkliche Rolle spielen.

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4 Kommentare zu Neues zum geplanten HOKAWE-Kauf: Landrat Bodo Ihrke und die rosarote Shopping-Brille

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  3. P. S. sagt:

    Nicht genug das Landrat Bodo Ihrke die rosarote Shopping-Brille aufgelegt hat und sich auf einer Shopping Tour befindet, er überlässt auch nichts dem Zufall. Ihrkes Lampenladen (DVZ), hat geklappt. Landratswahl, hat geklappt. HOKAWE-Kauf, hat geklappt. MOZ gekauft (Pressesprecher), hat geklappt. Personalrat (gekauft-unterwandert), hat geklappt? na da wolln wa doch mal sehn! Am 24.04 ist Wahl zum PR. Wenn das auch klappt, könn wa ja den Barnim auch gleich in “den Ihrke” umbenennen. KFZ Kennzeichen FBI (Fürsttum Bodo Ihrke).

  4. Im Nachhinein hat der Ankauf des insolventen HoKaWe zum Glück nun doch nicht geklappt. Leider propagiert Ihrke aber noch immer, das Werk sei nachhaltig im Sinne seiner dubiosen Nullemissionsstrategie. Er ist ein Greenwasher, wie er im Buche steht!
    Im Artikel der Märkischen Allgemeinen steht das, was ich schon 2006 behauptet habe: Holzboom belastet Industrie (http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12476513/62249/).
    Daraus zitiere ich: “Normalerweise wird nur Holz schlechter Qualität verheizt, etwa Kronenholz und und Reste vom Entasten. Das Gefüge gerät nun durcheinander. „Wenn der Preis für Brennholz steigt, wandert auch gutes Holz in den Ofen“, warnt Heinz Frommhold von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Dann würden auch diese Holzsorten immer knapper und teurer und die Industrie komme unter Druck.”
    Hier ein von mir verfasster Artikel (Zerstörung à la Amazonien vor der Haustür – Holzkraftwerk Eberswalde profitiert) als Beleg meiner Aussage: https://www.bar-blog.de/2008/08/06/zerstoerung-a-la-amazonien-vor-der-haustuer-holzkraftwerk-eberswalde-profitiert

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