Ein vorhersehbares Verlustgeschäft – Aktuelle Aussagen zur wirtschaftlichen Seite des geplanten HOKAWE-Kaufes durch den Landkreis Barnim

In Sichtweite der Entscheidung zum möglichen Kauf des insolventen Holzheizkraftwerkes Eberswalde durch den Landkreis Barnim nimmt die Diskussion zum Thema an Intensität zu.

Der Kreistagsabgeordnete Andreas Beyer (Bürgerfraktion Barnim/Bauernverband) hat sich intensiv mit den wirtschaftlichen Auswirkungen beschäftigt und den Kollegen am 28.03.2012 seine Einschätzung der Dinge zugesandt.

Beyers Kommentare orientieren sich dabei am wirtschaftliche Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dr. Heilmaier & Partner GmbH unter „Berücksichtigung der Jahresabschlüsse 2006 – 2009 der
Hokawe GmbH und der HoweE GmbH, des Gutachtens des Prof. Dr. Piorr, Informationen des statistischen Bundesamtes, diverser Interviews und weiteren Quellen“.

Zusammenfassend kommt der Unternehmensberater zu folgenden Ergebnissen:

1. Spätestens ab 2027 entstehen nachhaltige Verluste, die dann den Betrieb des Hokawe unmöglich machen. Dies ausweislich des wirtschaftlichen Gutachtens der Wirtschaftsprüfer. Ursächlich sind Einnahmen in fester / fixer Höhe und inflationäre Ausgaben.
2. Bis 2026 sind die Investitionen von 16.800 T€ nicht erwirtschaftet – es entsteht ein Verlust von 5 Mio. €, da das Hokawe danach nur noch Verluste erzielt und nicht mehr veräußert werden kann. Unternehmen werden nach dem Ertrag bewertet, Kein Ertrag – kein Unternehmenswert!
3. Die Einnahmen aus dem Pelletwerk (HoweE) dürfen seriöser Weise nicht einkalkuliert werden, da das Pelletwerk stets hohe Verluste erzielt hat und auch in Zukunft nicht wettbewerbsfähig ist.
4. Die Entwicklung der Holzpreise ist nicht marktgerecht berücksichtigt worden, bereits bei einer Preissteigerung von 3 % je Jahr entstehen nachhaltig Millionenverluste.
5. Das Auslaufen des Landesholzvertrages ist nicht berücksichtigt worden, danach ist mit Marktpreisen zu rechnen, die das Hokawe in die Verlustzone ziehen werden.
6. Es findet keine Eigenkapitalverzinsung statt, die investierten 5 Mio. € müssten ca. 250 T€ erwirtschaften und könnten soziale oder arbeitspolitische Projekte bedienen.
7. Das Auslaufen des EEG-Vertrages ist nicht berücksichtigt worden, danach ist mit Marktpreisen zu rechnen, die das Hokawe in die Verlustzone ziehen werden.
8. Rohgewinnschwankungen blieben unberücksichtigt, das Hokawe hat in den Vorjahren erhebliche Abweichungen in der Produktivität erzielt, dies Schwankungsrisiko gefährdet die Planungssicherheit.
9. Abweichungen zwischen Jahresabschlüssen und Gutachten lassen vermuten, dass Kostenpositionen unberücksichtigt blieben, die das Jahresergebnis verschlechtern.
10. Subvention durch den Landesholzvertrag – Erhalt von Arbeitsplätzen – Bei einem Verzicht auf den Landesholzvertrag könnten Landesmittel von 866 T€ p. a. eingespart und zur Schaffung von Arbeitsplätzen verwandt werden.

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8 Kommentare zu Ein vorhersehbares Verlustgeschäft – Aktuelle Aussagen zur wirtschaftlichen Seite des geplanten HOKAWE-Kaufes durch den Landkreis Barnim

  1. Eine gute Einschätzung des Kreistagsabgeordneten Beyer, der meine Befürchtungen erneut bestätigt.
    Ich hoffe nur, dass sich die Barnimer Kreistagsabgeordneten der Grünen, Frau Ute Krakau, Frau Karen Oehler und Herr Jochen Bona diese Einschätzung zu Herzen nehmen werden und nicht für den Kauf dieses „Riesendesasters“ stimmen werden.
    Liebe Kolleginnen und Kollegen, seid wachsam und lasst Euch von diesem Landrat nicht Sand in die Augen streuen!

  2. Stahlbaum sagt:

    @Andreas:
    Nächsten Mittwoch ist Fraktionssitzung. Da geht es sicher auch noch einmal um dieses Thema.

    • @Stefan
      Ich war bereits bei einer dieser Fraktionssitzungen als es u.a. ums Thema HoKaWe ging. Da war auch Herr Prof. Ibisch anwesend. Mein Position (die übrigens deckungsgleich mit der des Prof. sind) habe ich in der Runde vermittelt. Sie sind deutlich geworden und ein zweites Mal muss ich mir eine solche Sitzung nicht unbedingt noch einmal antun.

  3. Ronny sagt:

    Seit doch froh, das wir solch wunderbares Kraftwerk im Landkreis haben. Wer sich mal tiefer mit der Energiematerie auseinander setzt, wird schnell feststellen dürfen, das Kraftwerke sich nie rechnen (ausser die subventionierten Gelb-Schwarzen u.ä.!!! bzw. Solar- & Windkraftwerke, etc.).

    • Thomas Dyhr sagt:

      Es geht (auch) um das offene Visier.
      Natürlich kann man eine bewußte Entscheidung diskutieren und treffen, ob man wirtschaftliche Verluste und ökologischen Folgen eines Kraftwerkes wie das HoKaWe in Kauf nimmt und tragen will.
      Wenn es dafür nachvollziehbare politische Gründe gibt, dann gehören die auf den Tisch gelegt und in einer öffentlichen Debatte abgewogen gegen die Dinge, die der Landkreis dann nicht mehr finanzieren kann, wenn Verluste auftreten.
      Es gäbe dann nach der Debatte eine Mehrheitsentscheidung nach dem Muster „hopp oder topp“ und das war´s dann.
      Die Kreistagsabgeordneten hätten dann entschieden, wie es ihr Job nun einmal ist.
      Ich finde es aber wenig amüsant, wenn der Eindruck entsteht, dass die Entscheidungsträger mit Rosstäuscherei, geschönten Zahlen und fragwürdiger gutachterlicher Basis hinters Licht geführt werden sollen, um in dem vom Landrat gewünschten Sinne zu entscheiden.

  4. Das bornierte Festhalten des Landrats Ihrke am Kauf des HoKaWe durch den Landkreis Barnim, und dies entgegen aller vorgebrachten guten ökonomischen wie ökologischen Argumente die dagegen sprechen, mutet mittlerweile als höchst seltsam an.
    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hinter der Sache viel mehr steckt. An dieser Stelle frage ich erneut: Welche schwerwiegenden Konsequenzen hätte ein AUS des HoKaWe für den Landkreis bzw. für Ihrke persönlich?

    Interessant in diesem Zusammenhang ist die Bundesbürgschaft für das HoKaWe, nachzulesen auf der Homepage des MdB Markus Meckel (SPD) vom 01.07.2005, die in der Öffentlichkeit fast schon in Vergessenheit geraten ist:

    http://markus-meckel.de/2005/07/bundesbuergschaft-fuer-hokawe-100-neue-arbeitsplaetze-fuer-eberswalde-und-umgebung-moeglich/

    Bundesbürgschaft für HoKaWe – 100 neue Arbeitsplätze für Eberswalde und Umgebung möglich!

    Markus Meckel, direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises 57 (Uckermark-Barnim I) erklärt zur Gewährung einer Bundesbürgschaft für das Holzkraftwerk Eberswalde:
    Das ist ein guter Tag für Eberswalde! Ich freue mich sehr darüber, dass die Bundesregierung im Zusammenwirken mit der Landesregierung Brandenburg jetzt entschieden hat, eine Bürgschaft über den Fremdkapitalanteil für das Holzkraftwerk Eberswalde (HoKaWe) zu gewähren. Das war ein schwieriges Stück Arbeit – nun ist es gelungen! Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt getan, um diese Investition von über 55 Mio. € in Eberswalde zu tätigen. Dadurch können insgesamt über 100 neue Arbeitsplätze in Eberswalde und in der Holzwirtschaft unserer Region geschaffen werden.
    Die Gewährung der Bundesbürgschaft ist ein wichtiges Signal für unsere strukturschwache und von hoher Arbeitslosigkeit gekennzeichnete Region. Das Konzept der Firma überzeugt mich sehr. In enger Zusammenarbeit mit der regionalen Forstwirtschaft werden die vorhandenen natürlichen Ressourcen unserer Region genutzt, um Arbeitsplätze zu schaffen und umweltschonend Energie zu gewinnen. So passt sich das Holzkraftwerk, das bis zu 60.000 Haushalte mit Strom versorgen soll, in das von den Landkreisen Barnim und Uckermark verabschiedete Konzept BARUM 111 ein – mit dem Ziel, langfristig 111% des eigenen Energiebedarfs aus regenerativer Energie bereitzustellen.
    Auch werden zusätzlich Dienstleister und Zulieferer in und um Eberswalde von dieser Investition profitieren. Die vorhandene Infrastruktur, wie z.B. der Hafen Eberswalde, wird belebt. Durch die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule wird der Standort Eberswalde mit seiner Kompetenz im Bereich der Holz- und Forstwirtschaft gestärkt. Für Eberswalde zahlt sich damit der Unternehmergeist der Firma und das hohe Engagement vor Ort – insbesondere von Hafenmeister Peter Kikow und dem Geschäftsführer der Technischen Werke Eberswalde GmbH, die sich seit langem mit viel Energie für diese Investition eingesetzt haben – sowie auch die Politik der von der SPD geführten Landesregierung und der Bundesregierung, innovative Wirtschafts- und Wachstumskerne besonders in Ostdeutschland zu fördern, nachhaltig aus.


    Herr Meckel, eine tolle Fehleinschätzung und -entscheidung, die Sie sich auf die Fahnen schreiben können!

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