Die Zocker von Eberswalde, oder: Augen zu und durch beim HOKAWE-Kauf

In knapp 2 Wochen fällt die Grundsatzentscheidung zum Kauf des insolventen Holzkraftwerkes Eberswalde (HOKAWE) durch den Landkreis Barnim. Zieht man die Voten der Ausschüsse vom vergangenen Montag zu Rate stehen die Chancen für „Chefeinkäufer“ Bodo Ihrke (im „Nebenberuf“auch noch als Landrat tätig, kleiner Scherz) nicht schlecht. Immerhin 2 von 4 Gremien hoben den Daumen.

In der Darstellung der Märkischen Oderzeitung gibt es zwar durchaus noch eine Art „inhaltlichesTauziehen“, da hier allerdings nur die Ihrke-Experten zu Wort kommen scheint der Drops, aus der platten Draufsicht  betrachtet, fast gelutscht. Was da im Namen der Herren Hans-Peter Piorr (Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde) und Karl Nauen (Writschaftsprüfer) transportiert wird entspricht in meiner Wahrnehmung allerdings eher dem Geist von „Glaube, Liebe und Hoffnung“.

Ja, die Entwicklung der Holzpreise ist ein Risiko (Piorr), aber im gegenwärtigen Preisverhältnis von Holz zu fossilen Energieträgern sei die „Nutzung der Wälder als vernünftig einzuschätzen“.

Nauen beschwört die Authorität der Banken („Wir sind (…) vollumfänglich überprüft worden“) und sieht die Refinanzierung der Investitionen (16,8 Millionen) offensichtlich als unproblematisch an. Zu den auf Berechnungen basierenden Warnungen des Kreistagsabgeordneten Andreas Beyer (wir berichteten) fällt ihm Folgendes ein:

„Beyer sei von falschen Voraussetzungen ausgegangen(…) Die Investitionen des Kreises (…) seien natürlich im Wege der Abschreibungen einberechnet worden. Und dass die Gewinn- und Verlustrechnung nur bis zum Jahre 2026 gehe, habe einen einzigen Grund: „Der Betrieb wird 2026 eingestellt – zumindest gedanklich (…).“

Beyer selbst kommt in den Medien nicht zu Wort, hat uns aber im Nachklang der Beratungen mitgeteilt, dass sich das HOKAWE aus seiner Sicht unverändert nicht rechnen kann.

In diesem Zusammenhang kritisiert er, dass die Einnahmen/Erlöse des Pelletwerkes in die Wirtschaftlichkeitsberechnung einbezogen wurden.
Diese, so Beyer, „wird es nicht geben, da man davon ausgehen muss, dass das Pelletwerk nicht betrieben wird oder (falls es betrieben wird ) „Verluste einfährt das  es nicht wettbewerbsfähig ist. Eine Einbeziehung dieser Einnahmen, urteilt der Unternehmensberater, ist nicht seriös, bzw. würde kein ordentliche Kaufmann berücksichtigen. „

„Ohne die Einnahmen des Pelletwerkes und bei der Berücksichtigung von 2,3 % Preissteigerung auf alle Kosten (entspricht der Inflationsrate von 2011) ergeben sich bereits ab 2017 Verluste (siehe Anhang).

 

 

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2 Kommentare zu Die Zocker von Eberswalde, oder: Augen zu und durch beim HOKAWE-Kauf

  1. Am 6. April habe ich über den Mailverteiler der Grünen im Barnim folgenden Email-Text an Ute Krakau geschrieben, bei dem ich keinen Grund sehe, diesen nicht öffentlich zu machen:

    Liebe Ute,
    es ist mir zu Ohren gekommen, dass die Kreistagsabgeordneten der Grünen (Du, Karen Oehler und höchstwahrscheinlich auch Jochen Bona), für den Kauf des HoKaWe durch den Landkreis stimmen werden. Sicherlich seid Ihr als Kreistagsabgeordnete unabhängig in Eurer Entscheidung, was ja im Grundsatz auch gut ist und so sein sollte.
    Nichtsdestotrotz möchte ich Euch auf diesem Wege nochmal eindringlich ans Herz legen, NICHT für den Kauf des HoKaWe zu stimmen! Wenn Ihr diesen Schritt gehen solltet, so wird dieser – aufgrund der eindeutigen Faktenlage – an der regionalen grünen Basis einschließlich seiner Sympathisanten und Unterstützer, von denen ich auch einer bin, nicht vermittelbar sein. Gleiches gilt für unser Wählerklientiel. Ihr (wir) setzt (setzen) uns damit ein Eigentor.
    Glaubt nicht dem Landrat, der nicht nur hinsichtlich der Personalpolitik in seiner Verwaltung (Tarifstreit und Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer), sondern auch hinsichtlich des HoKaWe ein ganz falsches und übles Spiel spielt. Ich habe noch nicht vollständig durchdrungen, welche Gründe Bodo Ihrke für den Kauf hat, aber sie können nach Faktenlage m. E. nicht redlich und nicht gut für den Landkreis sein. Vielleicht spielen persönliche Interessen ein Rolle.
    Wenn Ihr allerdings für den Kauf des HoKaWe stimmen solltet, so müsst Ihr Euch darüber im Klaren sein, dass ihr die durch den Kauf entstehenden ökonomischen und ökologischen Folgen und Schäden, die dem Landkreis und der Region entstehen, zu tragen und zu verantworten habt! Nicht nur ich, sondern auch andere werden Euch dafür politisch zur Verantwortung ziehen. Denn es wird nicht immer so sein, dass sich Volksvertreter ganz elegant der Verantwortung Ihres politischen Handels entledigen können und werden. IHR allein seid die Entscheidungsträger und IHR allein werdet dafür die Verantwortung tragen! Ich bitte Euch, gründlich darüber nachzudenken, welche Tragweite dies für Euch hat. Es wird von mir auch, ganz im Sinne der Transparenz und Bürgerinformation, an die Öffentlichkeit gebracht werden, welche Kreistagsabgeordneten sich für bzw. gegen den HoKaWe-Kauf ausgesprochen haben. Dies alles soll keine Drohung sein, sondern ich möchte hiermit frühzeitig und offen ankündigen, dass ich, über alle politische Freundschaft hinaus, die mich mit Euch verbindet, keine politische Linientreue und „Kumpaneien“ pflegen werde und in gewichtigen Sachangelegenheit mit hoher Tragweite keinen „politischen“ Spaß verstehe; einen solchen aber auch in meiner früheren Partei SPD nie verstanden habe.

  2. Pingback: Der Endspurt in Sachen HoKaWe – am 18.04.2012 fällt die Entscheidung - Erfahrungen und Meinungen

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