„Klimaretter“, halbwegs vernüftiger Gebrauchsartikel oder doch nur ein etwas besseres „Spielzeug für Männer“? – Barnims Landrat Bodo Ihrke fährt jetzt Opel Ampera

Das Leben ist kostenintensiv und auch wer sich gern als Vorreiter zeigen will braucht neben der ideelen Grundidee in der Regel noch die entsprechende Hardware.

Barnims Landrat Bodo Ihrke fährt jetzt Opel Ampera. Das nach Herstellerangaben „uneingeschränkt alltagstaugliche“ Vehikel wird seit ein paar Wochen als Elektroauto ausgeliefert, ist aber mit seiner Kombination aus E-Motor und benzinbetriebenem Zusatzgenerator (Range-Extender) nach Einschätzung verschiedener Fachleute eigentlich ein serieller Hybrid.

Man habe, heißt es aus dem Landratsamt, mit dem Kauf zeigen wollen „dass diese Technologie zukunftsweisend ist“ .Passt auf den ersten Blick auch ganz gut. Ihrke setzt sich (mit mehr oder weniger Erfolg) bekanntlich gern als „Null-Emissions-Mann“ in Szene und dem Ampera werden diesbezüglich vergleichsweise traumhafte Werte nachgesagt.

Wie realistisch aber sind die sagenhaften 27 g CO2-Ausstoss pro gefahrenen Kilometer. „Der Klimalügendetektor“ hatte Ende letzten Jahres in diesem Punkt schnell das standartisierte NEFZ-Testverfahren im Visier und an der „Elektrevolution“ einige Zweifel. Die Rechnung geht nämlich offensichtlich nur dann auf, wenn die Reichweitenverlängerung tatsächlich erst nach etwa 80 km (inzwischen wird allgemein von 50-70 km E-Motor-Reichweite ausgegangen) zugeschaltet werden muss und die Batterie entsprechend lange hält.

Zwischen Test und Alltagsbedingungen könnten kleine Welten liegen, denn (Zitat Klima-Lügendetektor)

„in der Realität werden(…)sicherlich niemals alle stromschluckenden Nebenaggregate ausgeschaltet sein (Heizung, Klimaanlage, Sitzheizung, Fensterheber, Stereo-Anlage etc. pp.), und es wird auch nicht das ganze Jahr über – wie im NEFZ-Test – eine Temperatur von rund 20 Grad Celsius herrschen.“

Die TAZ wies in diesem Zusammenhang sinngemäß und nicht ganz zu Unrecht darauf hin, dass der „Klimafaktor“ eines Elektroautos stark davon abhängig ist wo der Betriebsstrom herkommt bzw. auf welcher Grundlage er produziert wurde.

Fassen wir zusammen:
Der Landkreis Barnim hat seinen Fuhrpark um ein relativ schadstoffarmes Modell erweitert und dafür einen derzeit noch unbekannten Gesamtbetrag ausgegeben (der Grundpreis liegt bei etwa 44.000,-€).  Wer möchte kann den „Bodo-Flitzer“ am Samstag „vor dem Parkhaus an der Eberswalder Goethestraße in der Zeit von 10 bis 17 Uhr“ besichtigen und (unter Aufsicht) probefahren.

Welche Zukunft der Ampera hat bleibt abzuwarten. Momentan ist er Europas meistverkaufte E-Limousine. Im März 2012 hatte General Motors die Produktion des fast baugleichen Chevrolet Volt wegen angeblich geringer Nachfrage für ca. 5 Wochen eingestellt.

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4 Kommentare zu „Klimaretter“, halbwegs vernüftiger Gebrauchsartikel oder doch nur ein etwas besseres „Spielzeug für Männer“? – Barnims Landrat Bodo Ihrke fährt jetzt Opel Ampera

  1. Thomas Dyhr sagt:

    Ich finde die Idee im Landkreis Elektrofahrzeuge anzuschaffen, gut.
    Ein Großteil der Akzeptanzprobleme beim Unstieg auf eine neue Technolgie rührt ja auch von der Frage der noch nicht gesteten Alltagstauglichkeit her.
    Wenn die Fahrzeuge im Dienst der Kreisverwaltung klaglos und wirtschaftlich ihren Dienst tun, dann kann das durchaus Kaufentscheidungen bisher zurückhaltender Verbraucher beeinflussen und sich damit positiv auf dem Weg zur Unabhängigkeit vom Öl auswirken.
    Das setzt aber voraus, dass die Alltagserfahrungen mit den Fahrzeugen auch aktiv kommuniziert werden.
    Ich könnte es mir als Baustein der Null-Emissions-Strategie des Landkreises gedacht gut vorstellen, auf der Homepage der Kreisverwaltung ein neues Kapitel mit den Erfahrungswerten dieser Dienstwagen einzurichten und die Nutzer der Pkw anzuhalten, ihre Erfahrungen fortlaufend zu berichten – für jeden der Fahrzeuge extra, damit auch die Ausgereiftheit der Technik beurteilt werden kann und nicht nur Jubelmeldungen über den ganzen Fuhrpark verbreitet werden.
    Als Verbraucher will ich wissen, wie oft die Leute mangels Strom liegen geblieben sind oder wie oft die Fahrzeuge mit kaputter Batterie in die Werkstatt mußten. Was hat die Reparatur der Batterie gekostet und dergleichen mehr. Ich will wissen, ob der Betrieb des Fahrzeugs wirtschaftlich ist und möchte an den Erfahrungen der Nutzer teilhaben (geht Klimaanlage und Elektrotrieb oder dergleichen mehr).
    Dass mit dieser Aktion des Landkreises davon einmal ganz abgesehen auch ein minimaler Beitrag zur Stützung wackelnder Arbeitsplätze des angeschlagenen Autobauers OPEL geleistet wurde, war ein vielleicht sogar nicht einmal unerwünschten Nebeneffekt und damit sicherlich auch nicht verurteilungswürdig.

  2. Ronny sagt:

    Weiterer Pluspunkt für Herrn Ihrke. Er wird mit dieser Tat der von der Bundesregierung zugeteilten Vorreiterrolle der öffentlichen Hand gerecht.
    Das ist auch eine weitere Begründung dafür, warum Herr Ihrke das HoKaWe kaufen wollte (in meinen Energieorientierten Augen!!!), denn wie die TAZ richtig erkannt hat, muss der Strom aus einer regenerativen Quelle kommen, um die statistischen Werte zu erreichen. HoKaWe-Kauf war einmal, somit wird der Wagen nun, zumindest im Winter sowie in diesen Sonnenarmen Tagen des „Sommers“, mit Kohlestrom gespeist.

    • Thomas Dyhr sagt:

      Es gibt ja auch den Wind, der Batterien aufladen kann – und das im Barnim nicht zu knapp.

      • Ronny sagt:

        Heute windstill = wenig Windstrom! Sonne kommt gerade, immerhin. Und insgesamt ist der Barnim nicht gerade reich bestückt, was die Windkraftanlagen betrifft, vergleicht man ihn mit umliegenden Landkreisen! Und bei den momentanen Plänen der E-Mobilität schaffen wir uns eh ein neues Problem der Bedarfsdeckung.

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