Beschneidungsurteil – Position von Volker Beck erregt Widerspruch aus der grünen Basis

Nachdem das Kölner Landgericht die Beschneidung eines muslimischen Jungen für strafbar erklärte ist die öfftenliche Debatte um Religionsfreiheit, religiöse Traditionen und das Recht auf körperliche Unversehrtheit in vollem Gange.

Volker Beck, Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Geschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen hat sich zum Urteil geäußert und es als “mehr als fragwürdig” eingeordnet. “Wir müssen”, sagte Beck, “uns darüber Gedanken machen, ob wir die Religionsfreiheit der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaft besser schützen müssen.”
Becks Position stiess in der Basis seiner Partei auf ein gespaltenes Echo mit vielen kritischen Stimmen, die sich nicht nur auf seinem Facebook-Profil niederschlagen.

Der Bernauer Thomas Dyhr findet es wichtig, dass die Beck-Position nicht unwidersprochen in der Öffentlichkeit stehen bleibt und  nicht pauschal als “die Meinung der Grünen” wahrgenommen wird. In einem offen Brief an Beck äußerte er sein Unverständnis und zog u.a. Parallelen zur bündnisgrünen Initiative gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen.

Wenn Du schon, so Dyhr an die Adresse Becks,

“eine religiös motivierte Körperverletzung an Kindern im Rahmen der Zulässigen ansiehst, mußt Du Dich auch zur Frage positionieren. wo eine zulässige Beschneidung endet und wo die strafbare Verstümmelung beginnt. Diese wesentliche Kernfrage wurde von Dir gar nicht erst erwogen, sondern Du hast mit Deiner Stellungnahme vielmehr einseitig die Religionsfreiheit über das Recht auf körperliche Unversehrtheit der Kinder gestellt. Damit hast Du dem Schutz der Kinder vor elterlicher Gewalt einen absoluten Bärendienst erwiesen(…).”

In der “Kollison der Grundrechte” haben die Kölner Richter seiner Meinung nach richtige Grenzen gezogen und dabei zur ein Bewußtseinsbildung über die Verbotswidrigkeit solcher Handlungen beigetragen.

Das Grundrecht auf Religionsfreiheit, so Dyhr abschließend,

“ist ein Individualgrundrecht, das Jedem Einzelnen zusteht, aber keine Grundlage dafür bietet – bieten darf -, ohne Einwilligung an Dritten Handlungen mit endgültigem Charakter vorzunehmen. Und seien es die eigenen Kinder! Wenn das Ritual einer Beschneidung zur Religionsausübung gehört, dann kann es (…) (frühestens) (…) dann erfolgen, wenn die Kinder religionsmündig geworden und in die irreversible Entscheidung über ihren Körper einbezogen sind.”

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3 Kommentare zu Beschneidungsurteil – Position von Volker Beck erregt Widerspruch aus der grünen Basis

  1. Sascha Maier sagt:

    Ein Teil der Spitzengrünen ist leider noch nicht soweit ….

    Claudia Roth, MdB und Bundesvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen:

    Das Urteil sei realitätsfremd, sagte auch Grünen-Chefin Claudia Roth. “Es wirkt ausgrenzend gegenüber der langen kulturellen und religiösen Tradition jüdischen und muslimischen Lebens.” Die Debatte könne nur mit den Religionsgemeinschaften geführt werden. “Als erste Schritte könnten erwogen werden, begleitende Maßnahmen wie breit angelegte Aufklärungsarbeit oder die Durchführung der Beschneidung nur von Ärzten vorzuschreiben.”
    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/koelner-beschneidungsurteil-loest-debatte-aus-a-841550.html

  2. Pingback: Das Spannungsfeld zwischen dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und der Religionsfreiheit - Erfahrungen und Meinungen

  3. jentsch sagt:

    wen wundert es, das Herr Beck, aus der “und das ist auch gut so” Bruderschaft devot zustimmt. Wie kann man so einen Purzelbaum schlagen, und das gut heißen, das die grausamen Beschneidungen, sowohl bei Mädchen, aber auch bei Jungen, in Deutschland durchgeführt wird. Gerade den Politikern sollte doch das Wohlergehen der Kinder am Herzen liegen. Ich finde es heuchlerisch und infam, den militanten Gruppen, die lautstark und dreist ihre archaischen, völlig überkom- menen Rechte einfordern, in der heutigen Zeit auch noch den Rücken zu stärken. Was würde Herr Beck, und die anderen Wirrköpfe die hier zustimmen wohl dazu sagen, wenn sich die Regierung in Rom auf uralte Geflogenheiten besinnen würde, und politische Gegner, oder Diebe öffentlich an das Kreuz nageln würden. Ich bin mir sicher, wenn es in ihr Konzept passt, nur im Gespräch bleiben, würden sie sicher auch hier zustimmen.

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